Warum ich mich gerade ohrfeigen könnte

Nachhaltigkeit

Ich weiß gar nicht so recht, wie ich anfangen soll, weil ich so eine Art von Artikel noch nie auf dem Blog veröffentlich habe. Und diese Aussage ist für mich als angehende Journalistin alias Volontärin, die täglich Artikel schreibt, ziemlich unbefriedigend. Es ist so, dass ich euch etwas erzählen möchte, was mich seit einigen Tagen ernsthaft beschäftigt.

Auslöser hierfür war eine Situation letzte Woche: Ich kam nach Hause und fand einen Zettel im Briefkasten, auf dem stand, dass ich bei den Nachbarn ein Paket abholen könnte. Es kam von Wala (dem Mutterkonzern von Dr. Hauschka) und ich habe mich schon tierisch gefreut, weil ich genau wusste, was sich darin befand. Ein Dr. Hauschka-Set rund um die Melissencreme, das ich bei einem Gewinnspiel von Jenny bekommen hatte. (Noch einmal vielen Dank dafür Jenny!). Voller Vorfreude habe ich das Paket ausgepackt und die Produkte bestaunt. Sofort kam mir die Idee, eines davon einer Freundin zu schenken, die am Wochenende Geburtstag hat und von der ich weiß, dass sie Dr. Hauschka sehr gerne mag.

Was ist denn los mit mir?

 

Es waren drei Vollgrößen in dem Paket und ein kleines Pröbchen dazu. Und plötzlich – ehrlich von einer Sekunde auf die andere – hatte ich das Gefühl, ich könnte keines dieser drei Produkte hergeben. Auf gar keinen Fall!

Wie absurd ist das denn bitte? Die Sachen befanden sich seit gerade einmal fünf Minuten in meinem Besitz. Ich hatte vorher nicht geplant, sie zu kaufen und von jeder Kategorie hatte ich mindestens ein Back-Up im Schrank. Trotzdem tat ich mich unglaublich schwer damit, eines davon loszulassen. Ich konnte es nicht glauben. Wie unglaublich blöd und konsumgeil kann man denn sein?
Schweren Herzens habe ich die Waschcreme für meine Freundin ausgesucht und ein passendes Geschenkpapier dazu gesucht. By the way: Die Waschcreme ist nicht reizarm und fällt damit noch nicht einmal in mein Beuteschema für Gesichtspflege. Warum zur Hölle fiel mir das alles dann so schwer?

Als ich das Geschenk fertig eingepackt hatte, fühlte ich mich besser. Ich wusste, dass ich damit jemandem eine Freunde machen könnte, so wie mir eine Freude damit gemacht wurde – und das tat gut. Es war so viel sinnvoller, als die Waschcreme zu behalten und womöglich im Schrank stehen zu haben, bis das MHD abläuft.

Was hat das noch mit Nachhaltigkeit und Minimalismus zu tun?

 

Ich lese gerade das Aufräumbuch von Marie Kondo, in dem es hauptsächlich um das Wegwerfen geht. Und ich liebe Minimalismus-Blogs, wie z.B. „A Hungry Mind“.

Mit der aktuellen Situation in meiner Wohnung hat das aber gerade reichlich wenig zu tun. Kleidung miste ich regelmäßig aus, das fällt mir gar nicht schwer. Auch sonst bin ich nicht der Typ, der ein Problem damit hat sich von Dingen zu trennen. Aber seit ich mit dem Bloggen begonnen habe, wuchern meine Beauty-Back-Ups ins Unendliche.
Vor noch gar nicht so langer Zeit habe ich in einem Interview gesagt, dass ich aus jeder Kategorie immer nur ein Produkt zur selben Zeit benutze und das auch leere (das stimmt immer noch). Aber ich habe auch gesagt, dass ich von jeder Kategorie (wenn überhaupt) nur ein Back-Up besitze und davon bin ich mittlerweile weit entfernt.

Daran sind zwei Dinge gleichermaßen schuld: Ich kaufe viel häufiger Kosmetik, gerne spontan, weil ich mit dem Blog quasi eine Ausrede für meinen Konsum habe. Aber ich bekomme langsam auch mehr PR-Samples, über die ich mich zwar jedes Mal riesig freue, die aber auch viel Platz in Anspruch nehmen. Versteht mich nicht falsch: Ich bin noch lange nicht so erfolgreich, dass ich ständig ein Päckchen erhalten würde. Aber selbst, wenn ich alle paar Monate gefragt werde, ob ich etwas testen möchte, ist das eben schon mehr als vor dem Blog. Kann man das irgendwie nachvollziehen?

Mir war schon klar, dass mit dem Blog auch mein Kosmetik-Konsum steigen würde. Aber ich hätte nie damit gerechnet, dass es so schnell geht. Schließlich schreibe ich hier seit gerade einmal ein einhalb Jahren.

Als ich mich das letzte Mal mit meinen Freundinnen getroffen habe, habe ich ihnen eine Tüte voll mit Kosmetik mitgebracht und auch an meine Schwestern und meine Mama habe ich schon etwas weitergegeben. Außerdem möchte ich in Zukunft mehr darauf achten, was ich kaufe und welchen PR-Agenturen ich zusage. So ein Gefühl, wie an diesem Abend mit den Dr. Hauschka Produkten, möchte ich nie wieder erleben – ich habe mich da wirklich über mich selbst erschrocken.

Mehr als eine Schublade im Schlafzimmer werde ich außerhalb des Bades nicht mit Kosmetik füllen!

An dieser Stelle möchte ich euch auch noch auf einen Artikel von Ginni aufmerksam machen, an den ich in diesen Tagen oft gedacht habe: „Naturkosmetik-Blogger vs. Nachhaltigkeit

Normal schreibe ich immer eine Frage unter den Artikel, aber dieses Mal traue ich mich gar nicht so richtig.
Ich bin einfach nur gespannt, was ihr zu alldem sagt…

 

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14 Kommentare

  1. Liebe Annabell, dein Beitrag hat mich sehr an mich erinnert. Ich habe zu viel, ich benutze zu viel. Aber ich habe vor ein paar Monaten angefangen, nicht mehr so sehr an meinen Sachen zu hängen. Ich kann es verkraften, Porto zu spendieren und schicke öfter mal Sachen an Bekannte oder Blogger-Kolleginnen. Und ich fühle mich gut dabei. Wie du! Dieses Gefühl mag ich lieber als das, etwas zu besitzen. Deshalb mache ich weiter damit. Trotzdem habe ich noch genug im Schrank und bewundere alle, die keine Backups horten.

    1. Liebe Karin, Danke für dein Feedback! Deine Päckchen sind ja mittlerweile richtig berühmt :) Ich freue mich auch schon sehr auf die nächste größere Aktion…

  2. Ich kenne das Gefühl, insbesondere auch den Moment, über sich selbst erschrocken zu sein. Letztendlich brauchst du aber nicht so hart mit dir selbst ins Gericht zu gehen: wir alle fühlen und dazu gehören eben auch „negative“ Gefühle wie Gier, Neid, Angst etc. Wichtig ist, dass wir uns dessen bewusst sind, uns selbst und die Gefühle beobachten können und genau das beschreibst du ja auch in deinem Artikel. Du hast das Gefühl wahrgenommen und hinterfragt und bist nicht seinem ersten Impuls gefolgt. Damit ist doch alles gut ;)

    Grundsätzlich kämpfe ich auch damit, das Thema Nachhaltigkeit auf allen Ebenen umzusetzen. Ich trenne Müll, kaufe möglichst wenig Plastikverpackungen, kaufe „faire“ Produkte usw, aber ich bringe es nicht über mich während des Einseifens das Wasser abzudrehen. Ich versuche das alles als Prozess zu sehen, unser Verhalten und Fühlen lässt sich auch einfach schwer radikal umstellen.

    1. Liebe Marie, vielen Dank für deinen Kommentar und dein Verständnis. Mit den negativen Gefühlen hast du natürlich recht, die gehören auch dazu. Erschrocken habe ich mich trotzdem total, vor allem, weil es so plötzlich kam! Dein Gedanke, die Umstellung als einen Prozess zu sehen, gefällt mir auch total gut. Alles andere führt wahrscheinlich nur zu Frust…

  3. Ich finde es toll, dass du so ehrlich darüber berichtest. Das können nicht viele. Ich bin gespannt, wie es für dich weitergeht :)

  4. Daher mache ich es so:
    Ich nehme nur noch gezielt Kooperationen an und das auch nur mit Produkten, die mir zusagen (Stichwort reizfrei und tierversuchsfrei/vegan).
    Was ich (ungefragt) gesendet bekomme, wird aussortiert, denn meist ist es nichts für mich. Falls doch, verwende ich es, ansonsten wird es an Leser / Freunde weiter geschenkt. Daher habe ich auch gerade einen Blogsale am Laufen, denn das Zeug muss einfach weg!

    Liebe Grüße
    Valandriel

    1. Danke für dein Feedback! Dass die Produkte zu mir und zu meinem Blog passen, darauf achte ich natürlich auch, wenn ich eine Anfrage bekomme. Nur dass mir dann das Weitergeben so schwerfällt, hätte ich nie gedacht! Daran muss werde ich jetzt arbeiten.

  5. Ich kann Deine Gefühle wirklich gut nachvollziehen, denn mir geht es ab und an ähnlich. Obwohl ich prinzipiell nur Kooperationen annehme, die genau zu mir und meinem Blog passen, ertappe ich mich schon oft dabei, wie ich kopfschüttelnd im Bad stehe und die überquellende Schublade beäuge.
    Ich versuche immer, bei Einkäufen kritisch zu hinterfragen, ob ich das Produkt wirklich brauche, ob gerade ein anderes in der Kategorie leer wurde, etc. Dementsprechend befinden sich pro Sparte eigentlich nicht mehrere Produkte in meinem Badezimmer, aber nichtsdestotrotz habe ich natürlich zu viel Kram. Keine Frage. :-)
    Ich verschenke auch ab und an Sachen an Freundinnen, ärgere mich aber auch ein bisschen darüber, wenn sie qualitativ hochwertige Produkte gar nicht zu schätzen wissen, weil sie selbst ganz andere Dinge konsumieren.
    Die Idee, sich künftig unter Bloggern mehr auszutauschen, im wahrsten Sinne des Wortes, finde ich sehr schön!
    LG
    Meike

    1. Danke für deinen Kommentar Meike! Genau diesen Anspruch hatte ich auch: Nicht zu viele, bzw gar keine Back Ups und erst wieder nachkaufen, wenn etwas leer ist. Und trotzdem ist es so schief gelaufen… Was den Austausch angeht – daran würde ich mich liebend gerne wieder beteiligen. Gerade die letzte „Nehmen und Geben“ Box hatte da ja genau die richtige Intention.

  6. Hallo Annall,
    ich glaube die meisten Menschen haben irgendetwas, von dem sie sich nur schwer trennen können. Aber in Deinem Beitrag gehst Du ja schon ziemlich hart mit Dir ins Gericht. Dir ist es selbst sofort aufgefallen und Du hast darauf reagiert. Das ist ggenau der richtige Weg, etwas zu ändern, auch im Mindset. Denn klar ist doch auch: Nur weil wir etwas gut finden (minimalistisch Leben) und viel darüber lesen, heisst das noch lange nicht, dass wir von heute auf morgen unser Denken und Verhalten verändern können. Soewtas dauert. Aber es zu wollen, sich damit zu beschäftigen und ungewollte Verhaltensweisen zu verändern, ist der richtige Weg.
    Also statt Dich weiter zu kasteien, solltest Du auch ein bisschen stolz auf Dich sein, dass Dir es überhaupt so bewusst geworden ist und Du gegengesteuert hast.

    Lg Jette

    1. Liebe Jette, Danke für deine netten Worte. Du hast recht, etwas zu lesen und es am Ende auch wirklich zu tun ist nicht unbedingt das selbe. Ich habe mich ziemlich über mich geärgert und musste das einfach einmal rauslassen. Es hat mich aber auch darin bestärkt, weiter in die Richtung des minimalistischen, nachhaltigen Lebens zu gehen. Auch wenn das wahrscheinlich nicht so schnell gehen wird, wie ich mir das wünsche…

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