Müllfreie Periode: Meine Erfahrungen mit Menstruationstasse und Periodenunterwäsche

Müllfreie Periode

Wenn ich darüber nachdenke, wie man weniger Müll produzieren kann, dann denke ich meistens an Dinge wie Stoffbeutel statt Plastiktüten, Unverpacktläden, festes Shampoo und wiederverwendbare Kaffeebecher. Die meisten dieser Dinge findet man in der Küche oder im Badezimmer. An meine Periode habe ich in diesem Zusammenhang ehrlich gesagt lange Zeit überhaupt nicht gedacht.

Doch wusstet ihr, dass Menschen, die menstruieren, in ihrem Leben bis zu 16.000 Tampons, Binden und Slipeinlagen verbrauchen? In Deutschland, Österreich und der Schweiz entstehen so 75.000 bis 125.000 Tonnen Müll pro Jahr – der wiederum zu einem großen Teil aus Plastik besteht und bis zu 500 Jahre in der Umwelt verbleiben wird [Erdbeerwoche].

Bevor ich euch von meiner Erfahrung mit der Menstruationstasse und Periodenunterwäsche erzähle, möchte ich unbedingt darauf hinweisen, dass die Menstruation eine sehr persönliche Sache ist und sich niemand gedrängt oder gezwungen fühlen soll, etwas zu benutzen, was ihr nicht gefällt! Egal ob Tampons, Binden, Tassen oder Unterwäsche – mittlerweile gibt es für all diese Möglichkeiten auch eine ökologische Version. Macht also einfach das, was sich für euch am besten anfühlt.

Und noch ein Disclaimer: Ich habe mir sowohl die Menstruationstasse als auch die Periodenunterwäsche selbst gekauft. Es handelt sich dabei nicht um PR-Samples.

Was ist eine Menstruationstasse und wie funktioniert sie?

Eine Menstruationstasse ist eine kleine Tasse, auch Cup genannt, aus medizinischem Silikon. Im Vergleich zu einem Tampon saugt sie das Blut nicht auf, sondern fängt es auf. Hierfür ist die Tasse so biegsam, dass man sie zum Einführen zusammenfalten kann und sie im Körper von alleine wieder aufploppt. Wenn sie richtig eingeführt wurde, ist die Tasse komplett dicht und kein Blut kommt mehr daran vorbei. Eine richtig sitzende Tasse ist außerem überhaupt nicht spürbar. Bis das auf Anhieb richtig klappt, kann es ein bisschen dauern, ich habe es auch nicht sofort geschafft – Übung macht die Meisterin!

Wie man die Tasse faltet, ist eine kleine Wissenschaft für sich. Es gibt super viele Möglichkeiten und es lohnt sich, so lange auszuprobieren, bis man die richtige für sich gefunden hat. In diesem Video von Lunette werden ein paar dieser Falttechniken gezeigt.
Je nach Stärke der Periode muss man die Tasse zweimal, dreimal oder mehrmals am Tag ausschütten und neu einsetzen. Dabei reicht es, wenn man sie kurz grob mit Wasser reinigt.
Ist die Periode vorbei, wird die Menstruationstasse zehn bis fünfzehn Minuten ausgekocht und ist danach bereit für den nächsten Monat.

Wie wählt man die richtige Größe und die richtige Marke?

Menstruationstassen sind unterschiedlich groß – sowohl in ihrer Länge, als auch in ihrem Durchmesser. Außerdem können sie mehr oder weniger weich sein. Grundsätzlich wird empfohlen: Wer eine gute Beckenbodenmuskulatur hat, kann eine härtere Tasse benutzen. Wer eine schlechtere Beckenbodenmuskulatur hat, sollte eine eher weichere Tasse wählen.

Die meisten Anbieter von Menstruationstassen bieten mindestens zwei Modelle: Eines für Menschen, die noch nicht entbunden haben und eines für Menschen, die bereits eine Geburt hinter sich haben.

Auch hier gibt es mittlerweile unzählige Optionen, was die Entscheidung nicht gerade leichter macht. Wer sich vorher ganz genau informieren möchte, kann zum Beispiel einer großen Facebook-Gruppe zu diesem Thema beitreten, dort wird man ziemlich gut beraten. Mir persönlich war diese Gruppe ein bisschen zu viel, weshalb ich mich am Ende einfach für eine Marke entschieden habe, die mir besonders sympathisch war, nämlich Organicup. Glücklicherweise hat mir die Tasse auch richtig gut gepasst. Allerdings erst nachdem ich den Stiel komplett abgeschnitten hatte – das wird aber häufig geraten, wenn einem die Menstruationstasse sonst zu lang ist.

Bei den Marken selbst gibt es zum Teil große Unterscheide was die Qualität und die Nachhaltigkeit der Unternehmen angeht. Der Divacup wird von Ökotest zum Beispiel nicht empfohlen, weil Benzophenon gefunden wurde [Utopia]. Auch die Preise unterscheiden sich ein bisschen. Ich habe bisher nur die Organicup kennengelernt, aber auch von der Lunette habe ich aus meinem Umfeld nur Positives gehört.

Seit über zwei Jahren bin ich super zufrieden mit meiner Menstruationstasse von Organicup. Sie ist zwar in der Anschaffung etwas teuer, da man aber nie wieder Tampons oder Binden kaufen muss, ist das schnell ausgeglichen.

Warum dann auch noch Perioden-Unterwäsche?

Meine Periode ist nicht auf den Tag genau pünktlich, ich weiß nur ungefähr wann sie kommt. In dieser Zeit kurz vor der Blutung schon eine Menstruationstasse zu tragen funktioniert aber nicht. Außerdem habe ich manchmal Angst davor, die Menstruationstasse könnte nicht richtig sitzen und auslaufen (wobei das fast nie passiert). Für diese beiden Fälle liebe ich meine Periodenunterwäsche von Ooshi Berlin.

Periodenunterwäsche sind Unterhosen, die im Schritt ein integriertes Membransystem haben und das Blut wie eine Binde aufsaugen. Der große Unterschied zu einer normalen Binde ist jedoch, dass es sich überhaupt nicht danach anfühlt – so ist zumindest meine Erfahrung. Hält man die Unterhose in der Hand, kommt sie einem noch ziemlich dick vor, angezogen fühlt sie sich jedoch wie eine ganz normale Unterhose an. Das macht die ganze Sache natürlich super bequem und unkompliziert, da ich die Periodenunterwäsche einfach so lange trage, bis ich meine Blutung tatsächlich bekomme. Dann steige ich auf die Menstruationstasse um. Und wenn ich das Gefühl habe, einen extra Schutz zu brauchen, benutze ich die Periodenunterwäsche zusätzlich zur Tasse als Backup.

Alle Ooshi Modelle auf einen Blick ©Oohsi

Ist das denn hygienisch?

Bisher habe ich noch keinen Härtetest mit meiner Perioden-Unterwäsche gemacht, da ich meistens so bald wie möglich die Menstruationstasse einsetzte, wenn meine Periode beginnt. Nachts oder wenn meine Periode schon ziemlich vorbei ist, reicht mir eine Unterhose aber den ganzen Tag bzw. die ganze Nacht. Laut Ooshi hält ein Perioden-Unterhose bis zu drei Normaltampons an Blut.

Und ja, Perioden-Unterwäsche ist hygienisch, dafür sorgt ein spezielles Membran System. Bei Ooshi besteht dieses aus drei Schichten: die erste ist aus Merinowolle, die zweite enthält einen kontrollierten bakterienhemmenden Wirkstoff und die dritte, unterste Schicht lässt keine Flüssigkeit durch und ist damit auslaufsicher. Dank diesem System hat man auch immer ein trockenes Tragegefühl.
Nach dem Tragen kann man die Unterhose kurz mit Wasser auswaschen, danach kommt sie bei 40 Grad in die Waschmaschine.

Auch hier gibt es wieder viele verschiedene Marken. Besonders bekannt ist zum Beispiel Thinx aus den USA. In Deutschland gibt es neben Oosi auch noch Periodenunterwäsche von Kora Mikono. Beide deutschen Marken produzieren unter fairen Bedingungen und arbeiten mit ökologischen Materialien. Mich hat außerdem die nachhaltige Verpackung positiv überrascht. Die Periodenunterwäsche von Ooshi wird einfach in großen Papierumschlägen in das Paket gelegt – so ist die Verpackung komplett plastikfrei.

Einen Haken hat die Periodenunterwäsche leider trotzdem. Der Preis ist für eine Unterhose nicht ganz ohne und da man gleich mehrere braucht, ist man schnell einen ganzen Batzen Geld los. Ein Hipster kostet zum Beispiel 37,95€. Ich habe mir daher erst einmal nur zwei Exemplare gekauft (obwohl es ab drei einen Rabatt von 10% gibt). Nachdem ich dann so super zufrieden damit war, habe ich mir neulich noch einmal drei Stück bestellt. Ist für mich schon ein ziemlicher Luxus, aber einer, der mir das Geld absolut wert ist.  

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