Low Waste: Nachhaltige Verpackungen bei Naturkosmetik

Naturkosmetik Verpackung

Auf meinem Blog ging es jahrelang nur um Naturkosmetik. Erst als ich 2018 auch damit anfing über meine Zero-Waste Erfahrungen zu schreiben, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie nachhaltig Naturkosmetik eigentlich verpackt ist. Seither ist es manchmal ein ziemlicher Spagat zwischen spannender Kosmetik, die ich gerne ausprobieren würde und meinem Ziel, ein so müllreduziertes Leben wie möglich zu führen. Klar, kann man Naturkosmetik selber machen oder unverpackte Produkte wie Seifen und festes Shampoo benutzen. Aber manchmal hab ich trotzdem noch Lust auf ein bisschen mehr.

In diesem Artikel möchte ich euch deshalb ein paar Konzepte und Marken mit nachhaltigen Verpackungen vorstellen, die den Kompromiss zwischen Naturkosmetik und Low Waste ein bisschen einfacher machen.

Ist Glas nachhaltiger als Plastik?

Diese Frage habt ihr bestimmt schon oft gehört oder sie euch sogar selbst schon gestellt. Die Antwort darauf ist lang und komplex und soll an dieser Stelle nicht in aller Ausführlichkeit erörtert werden. Lest dazu am besten mal diesen Artikel bei Mehr als Grünzeug, da wird die Problematik sehr gut erklärt. Grundsätzlich gilt, Mehrweg ist immer viel besser als Einweg! Wenn man aber die CO2 Bilanz von Einweg-Glas und Einweg-Plastik vergleicht, schneidet Glas eher schlechter ab. Grund dafür ist der hohe Energiebedarf bei der Herstellung und beim Recycling sowie die hohen Transportkosten weil Glas schwerer ist.
Ich möchte euch hier trotzdem zeigen, welche Marken ihre Produkte in Glas anstatt in Plastik verpacken. Zum einen, weil man diese Behältnisse oftmals besser wiederverwenden bzw. upcyceln kann und zum anderen weil ihr die üblichen Verdächtigen in Plastik ja alle kennt – hier soll es um die Alternativen gehen.

Folgende Marken bieten ihre Naturkosmetik (fast) ausschließlich in Glasflakons an. Die Liste ist natürlich bei weitem nicht komplett – schreibt mir eure Ergänzungen gerne in die Kommentare.

  • Pure Skin Food
  • Dabba
  • Amo como soy
  • Martina Gebhardt (Ja, das weiße Material ist Glas. Genau genommen Opal-Glas, das beim Glascontainer übrigens als Gründglas entsorgt werden soll)
  • You and Oil
  • Abaris (Die Deckel aus FSC-zertifizierten Buchenholz sind sogar kompostierbar, da sie ohne Kunststoffgewinde auskommen)
  • Balmyou (benutzt recyceltes Glas und einen Deckel aus schnell nachwachsendem Bambus)

Mehrwegsystem für Naturkosmetik

© Fair Squared

Aber wie schon gesagt, Einweg ist grundsätzlich nicht die beste Lösung. Deshalb finde ich es super spannend, welche Möglichkeit Fairsquared für das Verpackungsproblem gefunden hat. Und zwar ein waschechtes Mehrweg-Pfandsystem für Naturkosmetik in Glasbehältern. Über den Handel können die leeren Glasverpackungen an Fairsquared zurückgeschickt werden, wo man sie neu befüllt und wieder verkauft. Wenn man zuhause genug leere Fairsquared Verpackungen sammelt, kann man sie ab 10 Stück auch selbst an die Firma zurückschicken und bekommt dafür einen 10€ Gutschein für den Online-Shop. Auf meine Anfrage hin wurde mir von Fairsquared übrigens erzählt, dass Glas nicht der letzte Schritt sein soll und das bereits nach noch nachhaltigeren Möglichkeiten gesucht wird.

Und was ist mit recyceltem Plastik?

Polyethylen (PE) das zum Beispiel von der neuen Marke GRON benutzt wird, ist ein ideales Material für die Verpackung von Naturkosmetik und lässt sich sehr gut recyceln. Das Problem bei Plastikverpackungen ist aber: Nur ein Bruchteil dessen, was recycelt werden könnte, wird auch tatsächlich recycelt. Eine Menge Plastikmüll wird entweder in Brennstoff umgewandelt oder in Länder des globalen Südens verkauft – z.B. früher nach China, heute vorwiegend nach Indonesien. Recycelt werden am Ende nur zwischen 17 und 39 Prozent (die Zahlen schwanken stark, je nach Quelle).
Umso besser ist es daher, wenn eine Firma tatsächlich recyceltes Plastik als Verpackungsmaterial verwendet. Bei der neuen Skin Food Reihe von Weleda ist das zum Beispiel der Fall – dort wird bereits recyceltes Plastik verwendet. Allerdings noch nicht so viel. Bis 2022 will Weleda einen Anteil von 65% Recyclingplastik oder Biokunststoffe erreichen. Bei Glas nutzt Weleda übrigens schon 85% Rezyclat, was nach ihren Angaben der zurzeit höchste Anteil ist, der sich technisch machen lässt. Und falls ihr euch jetzt fragt wie es mit Weledas Aluminiumtuben aussieht: Auch hiervon möchte sich die Marke in Zukunft trennen. Umgestiegen wird auf den Plastiktyp COEX und Aluminium Barriere Laminat (ABL), in dem nur noch eine viel geringere Menge Aluminium vorhanden ist.

Wusstet ihr, dass man bei Ecco Verde unter den Filtern auch „plastikreduziert“ auswählen kann?

Nachhaltige Alternative: Papierverpackung

Papier benötigt in der Herstellung recht viel Energie, wird dafür aber konsequent recycelt und ist schneller in der Umwelt abbaubar. Auch hier gibt es einige Firmen, die bereits Papier als Verpackung verwenden. Das ist natürlich wieder nur eine kleine Auswahl.

© GRON
  • GRON: „Die Verpackung unseres Deko-Sortiments besteht aus Pappe mit einem minimalen Anteil an Kunststoff, der sich leider kaum vermeiden lässt. Bei den Lippenstiften ist er zum Beispiel wegen der Mechanik unverzichtbar, bei Mascara und Lipgloss wird er benötigt, um die Flüssigkeiten zu schützen.“ [Stephan Becker im Interview mit Naturalbeauty]
  • Ben & Anna: „Unsere Verpackung besteht zu 99,8% aus FSC-zertifiziertem Papier. Die 0,2% bestehen aus einer biologisch abbaubaren Folie. Diese Folie dient als Dampfsperre für das Produkt und ist vom Gesetzgeber vorgegeben.“ [Benjamin Siebert auf Anfrage von Pusteblume-Blog]
  • Couleur Caramel
  • Raw Elements (aus den USA)

Auch Plaine benutzt für ihr Pulverwunder vorwiegend Papier als Verpackung. Doch die Marke ist noch einen Schritt weiter gegangen: „Das Holz zur Herstellung der Faltschachtel stammt aus einem Umkreis von maximal 150 Kilometern um die Papierfabrik im Schwarzwald. Somit werden lange Holztransporte durch Europa vermieden.“ [Geschäftsführer Ernest Schmidt auf Anfrage von Pusteblume-Blog] Die Sachets bestehen neben Papier aus einer hauchdünnen Innenbeschichtung aus einem Biopolymer auf Basis von nachwachsenden, pflanzlichen Rohstoffen. Und sogar die Farben auf der Verpackung sind mineralölfrei. So können die Sachets problemlos in der Biotonne landen!

Ein ganz neuer Weg: Verpackung aus Zuckerrohr und Holzabfällen

Verpackung Urtekram
© Urtekram

2019 will die skandinavische Firma Urtkram auf Verpackungen aus Zuckerrohr umsteigen. 85% des Sortiments soll in sogenanntem Green PE also pflanzlichem Polyethylen verpackt sein. Auf dem europäischen Markt nennt sich dieses Material Terralene – es kann bis zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Allerdings ist Green PE nicht biologisch abbaubar. Außerdem steht Bio-Plastik immer wieder in der Kritik, weil die Gefahr besteht, dass die pflanzlichen Rohstoffe in großen Monokulturen angebaut werden. Die Tatsache, dass bei der Herstellung aber keine fossilen Brenstoffe benötigt werden, ist aber natürlich ein großer Fortschritt.

rivelles verpackung
© rivelles

Die Naturkosmetik Manufaktur rivelles setzt auf ein Material, dass aus Holzabfällen hergestellt wird. Dieser Rohstoff muss nicht extra angebaut werden und ist daher besonders ressourcenschonend. Durch die Beimischung des Bio-Material kann rivelles hier 40% Plastik einsparen. Für ihre Gesichtspflegeprodukte verfolgt die Marke einen weiteren spannenden Ansatz. Dafür kaufen sie von verschiedenen Herstellern in Europa bereits produziertes Leergut, dass nicht mehr verkauft wird – und befüllen es mit ihren eigenen Produkten. Die die Hersteller und das Leergut je nach Angebot variiert, sieht das Produkt-Design immer wieder anders aus. Ein Kompromiss, den rivelles zu Gunsten der Umwelt gerne eingeht.

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4 Kommentare

  1. Hallo Annabell,

    Ich beschäftige mich auch schon länger mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und versuche so gut es geht, nachhaltiger zu leben.
    Unter anderem habe ich auch schon damit angefangen meine Kosmetikprodukte aus herkömmlichen Lebensmitteln herzustellen, das klappt wirklich super!
    Inspiriert hat mich dabei der Blog „www.nachhaltiggehtdas.de“. Sicher werde ich in dem Zusammenhang auch deine Tipps berücksichtigen. Danke dir dafür.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende,
    Maria

  2. Hey Annabell,
    ich wollte dir einfach mal ein Kompliment für deinen Blog hier lassen. Das Design und die Idee gefällt mir sehr gut.
    Hast Du vielleicht Lust in der Zukunft mal Haarseifen vorzustellen?
    Liebe Grüße, Shirin

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